Pfarrei St. Urban Ottmarsbocholt

h1=.Das Labyrinth vor unserer Kirche


Das Ottmarsbocholter Labyrinth ist eine im Jahr 2008 angefertigte Kopie desjenigen in der ehemaligen Abtei St. Bertin in der nordfranzösischen Stadt St. Omer. Die Abtei wurde im 7. Jahrhundert vom Bischof von Théouranne, dem heiligen Authamar (= Ottmar/Omer, 600-670) gegründet, dem "Namenspatron" unseres Dorfes. Die heute zerstörte Abtei ist die Keimzelle der Stadt St. Omer. Die Reliquien des Heiligen und eine Kopie des Labyrinthes befinden sich in der dem heiligen Ottmar geweihten Kathedrale der Stadt.
In vielen gotischen Kathedralen wurden Labyrinthe verlegt. Sie symbolisieren den Weg zur Gottesstadt Jerusalem und dienten den Pilgern dazu, mit ihrem Gang zur Kathedrale geistlich an den Ort des Erdenlebens, Erlöserleidens und des Sieges unseres Herrn zu gehen.
Ein Labyrinth ist kein Irrgarten. Man muß den Weg des Labyrinthes lediglich in Geduld bis zur Mitte gehen. Der in unserem Fall 125 m lange Weg durch viele Wendungen führt den Menschen immer wieder nahe an die Mitte heran und dann wieder an den Rand, so wie er sich auch im Leben mal nahe bei Gott und sich selbst, dann wieder sich selbst fremd und fern von Gott erfährt. Diese seine Lebensgeschichte mit seinen Höhen und Tiefen soll der Mensch mitbringen zur Gottesbegegnung. Die Mitte symbolisiert das eigene Selbst, das himmlische Jerusalem, ja Christus.

MAßE UND ZAHLEN

In unserem Labyrinth sind die Wege (Ziegelstreifen) so breit wie deren Begrenzungen (Blaubasaltwürfel). Die Grundeinheit ist ein Quadrat von etwa 10×10 Zentimetern. Das Labyrinth besteht aus 49×49=7×7×7x7 Grundeinheiten. Sieben ist die Symbolzahl der von Gott gestifteten irdischen Ordnung (vgl. Wochentage, Tonleiter, Sakramente, Gaben des Hl. Geistes), das Quadrat, die Vier steht für die Welt, in der wir leben (Himmelsrichtungen, Dimensionen).
Von den Rändern bis zur Mitte sind es jeweils 12 Wegbreiten, die Zahl der Stämme Israels und der Apostel Christi. Die Mitte ist dreimal so breit, wie der Weg, neunmal so groß wie das Grundquadrat – Zeichen für die göttliche Dreifaltigkeit. Die Mittelplatte steht für das himmlische Jerusalem mit seinen zwölf Toren, wie es im 21. Kapitel der Offenbarung des Johannes beschrieben wird. In seiner Mitte steht Christus, der Alpha und Omega, Anfang und Ende ist (vgl. Offb 1,6; 21,6; 22,13).
Das Labyrinth weist 245 Geraden auf. Hinter dieser Zahl verbirgt sich zweierlei:
- 2×4×5=40: 40 Jahre lang zog das Volk Israel aus der Sklaverei Ägyptens durch die Wüste ins gelobte Land. 40 Tage wanderte Elija zum Gottesberg Horeb, 40 Tage fastete Jesus in der Wüste: 40 ist die Symbolzahl des Weges, der Vorbereitung und des Bei-Gott-Seins.
- 245=7×7×5: 7 ist die Zahl der Vollkommenheit des Universums. 7×7 steht für die "Fülle der Vollkommenheit" und nimmt darüber hinaus Bezug auf die Größe des Labyrinthes (s.o.). Die 5 steht für die Wunden Christi und die menschlichen Sinne.

FORM
Die Kunst, ein Labyrinth zu entwerfen, besteht darin, daß der Weg eine schöne Form hat und daß die Fläche vollständig ausgenutzt wird. In unserem Labyrinth aber gibt es im unteren Teil einen Rest in der Größe eines Grundquadrates, auf das man sofort zu Beginn des Weges stößt. Dieser "Fehler", die Stelle, an der es buchstäblich nicht mehr geradeaus geht, steht für die Erfahrung, die jeder Mensch schon früh im Leben macht: Etwas stimmt nicht. Biblisch sprechen wir vom verlorenen Paradies, theologisch von der Erbsünde. Diese Erfahrung läßt uns auf die Suche gehen nach dem Heil, nach Erlösung, nach Gott, eine Suche, die uns oft verschlungen und geheimnisvoll vorkommt, wie ein Labyrinth.


Das Zielfeld des Labyrinths ist dreimal-dreimal größer als der "Fehler". Das will sagen: Die Erlösung Gottes übersteigt unser Leiden und unser Verstehen unendlich.
Der Weg im oberen Teil verläuft um ein Kreuz herum. Das will sagen, daß das Leid in unserem Leben gegenwärtig ist. Unser Leben kann ein Kreuzweg werden, der aber durch Christus zum Heilsweg geworden ist.
Am Ende des Weges steht er in der Mitte mit dem Blick auf das Kirchenportal, bereit zum Heil: zur Gottesbegegnung, die sich in der Kirche am Altar ereignet.